Portrait

Der talentierte Herr Hoppenstedt

Dürfen wir vorstellen: Hagen Hoppenstedt, Head of Beverage im KaDeWe. Der Leiter des Weinbereichs, des größten in Berlin, arbeitet in einem trinkbaren Schlaraffenland und ist Meister seines Fachs.

Hagen Hoppenstedt Sommelier und Leiter des Weinbereichs.

Natürlich entdeckt Hagen Hoppenstedt die Krümel sofort. »Hoppla!«, ruft er und klingt mehr erstaunt als verärgert. »Hier wurde etwas übersehen!« Der schlanke, groß gewachsene Mann – grauer Nadel­streifenanzug, Einstecktuch (»für mich obligatorisch«, sagt er) – wischt mit einer flinken Handbewegung ein paar Brotbrösel von einem der schwarzen Bistrostühle an der Weinbar. Das ist sein Reich, Krümel gehören nicht hierher. Hagen Hoppenstedt ist mehrfach preisgekrönter Sommelier und leitet seit März den Weinbereich des KaDeWe, das Herzstück der Sechsten. Der 48­jäh­rige Hamburger kommt aus dem Fünfsternehotel Adlon, wo er als Maître d’hôtel für den Service, die Getränke und die Lobby Bar verantwortlich war. Davor war er unter anderem als Chefsom­melier und Restaurantleiter im Hamburger Traditionshotel Vier Jahreszeiten und im hauseigenen Sternerestaurant Haerlin tätig. Nun regiert er in der Sechsten über 3800 Weine aus aller Welt. Dazu kommen 800 verschiedene Schaumweine, 1600 Spirituosen von Japan bis Schottland, eine riesige Auswahl an Limonaden, Säften und Bieren. Die neu gestaltete Weinbar gehört genauso dazu wie die neue Champagnerbar, die Moët & Chandon Bar, die Veuve Clicquot Bar und die Budweiser Bierbar, wo das tschechi­sche Original so kunstvoll gezapft wird wie in einer Prager Bier­halle. Unter seiner Regie läuft auch der Spaetkauf, der mit seiner Leuchtreklame an der Wand, den Kühlschränken und dem neben der Kasse aufgestellten Geldautomaten einem Original aus Kreuz­berg oder Neukölln zum Verwechseln ähnlich sieht. Wäre da nicht der Jahrgangschampagner, den man hier perfekt gekühlt zum Mit­nehmen bekommt. Nebenan, am weißen Marmortresen der neuen Champagnerbar, kann man sich wiederum durch die unendlichen Weiten der Champagnerwelt probieren. Und falls einen bei die­ser Gelegenheit der Hunger ereilt, zaubert Hoppenstedts Team französischen Rohmilchkäse oder ein Dutzend Austern herbei – »prinzipiell ist alles möglich«, sagt er.

Das Besondere an der Sechsten sei die gesellige Atmosphäre und die Kommunikation mit den vielen Stammgästen. Das Gesamt­erlebnis. Ein Traum für einen Vollblut­Gastgeber wie Hoppen­stedt. Ein »Paradies für jeden, der sich in irgendeiner Weise mit etwas Flüssigem laben will«, nennt er seine Wirkungsstätte. Er erzählt von einem Opernsänger, der täglich zum Mittagessen vor­beikomme und ab und an eine Arie zum Besten gebe. Von dem Geschäftsmann, der grundsätzlich telefonierend in die Weinbar komme: »Dem stelle ich ein Glas Cloudy Bay hin, ohne dass er etwas sagen muss. So kann er ohne Unterbrechung weiterkonferieren.« Kompetenz sei hier oben so wichtig wie die Fähigkeit, den Gäs­ten ihre Wünsche von den Augen abzulesen, erklärt Hoppenstedt. Sein Team besteht aus Experten, einige arbeiten seit 30 Jahren hier. »Eigentlich kennen sich meine Mitarbeiter mit allem aus, aber zusätzlich ist jeder von ihnen Spezialist für ein bestimm­tes Fachgebiet.« Da wäre zum Beispiel Herr Gresser, ehemals Gastgeber im Elsass, der die Antwort auf jede Frage zu Weinen aus Frankreich kennt. 

Sie sind ein Schwerpunkt des vielfältigen Sortiments, genau wie deutsche, österreichische und Schweizer Weine. Auch Wein aus Armenien, Brasilien und Georgien findet man in der Sechsten. Und einen perfekt temperierten, gläsernen Humidor, in dem man sich zu soften House­Klängen am Anblick von 800 Wein­Raritäten berauschen kann: an Toskanern von Sassicaia bis Solaia, Bordeaux von Château Mouton Rothschild über Pétrus bis Le Pin und 30 verschiedenen Jahrgängen Château d’Yquem. Und was trinkt Hagen Hoppenstedt privat am liebsten? Jegli­chen Riesling weltweit und Champagner. »Aber eigentlich trinke ich jeden Wein gern, wenn er gut gemacht ist«, sagt er. »Ich bin ein Genussmensch. Insofern bin ich hier sehr gut angekommen.«

Die neue Generation deutscher Winzer: Hagen Hoppenstedts Favoriten

Alles Riesling
Tesch

Das Weingut Tesch in Langenlonsheim an der Nahe steht für Riesling, eine meiner liebsten Rebsorten. Die Reben sind durchweg sehr alt. Dr. Martin Tesch, Doktor der Biologie und ein sehr sympathischer Mensch, baut jeden seiner Weine lagenspezifisch aus, das heißt, dass sich das vielfältige Terroir der Region sehr prägnant in ganz unterschied­ lichen Weinen präsentiert.

Empfehlung: Der Laubenheimer Karthäuser Riesling 2017 trocken. Der rote Sandsteinbo­den, auf dem die Reben wachsen, zeigt sich in diesem kraftvollen, würzig­fruchtigen Wein.

Rotwein­ Wunder
Rings

Das Familienweingut aus der Pfalz hat es unter der Führung der Brüder Steffen und Andi Rings in wenigen Jahren in die Oberliga der deutschen Winzer geschafft. Sie betrei­ben öko­zertifizierten Weinbau und haben auch internationale Rebsorten wie Sauvi­ gnon Blanc, Merlot und Syrah gepflanzt. Vor allem die Rotweine sind spannend – bei konservativen Trinkern sorgen sie regel­mäßig für Aha­Erlebnisse.

Empfehlung: Das Kreuz 2016 und Das kleine Kreuz 2017. Zwei Rotwein­Cuvées aus Deutschland, die sich mit internationalen Rotweinen messen können.

Rheingau­ Vielfalt
Eva Fricke

Über diesen Neuzugang im Sortiment bin ich sehr glücklich. Eva Fricke aus Eltville im Rheingau ist der Shooting­Star der jungen deutschen Riesling­Szene. Ich mag die fast puristische Reinheit ihrer Weine, sie sind elegant und nuancenreich, mit viel Mineralität. Ein klarer Ausdruck der Lagen, aus denen sie stammen, und deren ganz unterschiedlicher Bodenbeschaffenheiten. Ökologisch produziert.

Empfehlung: Der Lorchhäuser Seligmacher 2018. Ein sehr klarer Riesling mit Aromen exotischer Früchte, dezenter Restsüße und mineralisch­salzigem Abgang. Macht selig.