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Deutsch­-türkische Teezeit

Die Illustratorin Esra Gülmen, 1986 in Istanbul geboren, brachte ihr Job in die Stadt: Sie ist Head of Design einer renommierten Werbeagentur und bekannt für ihre pointierten Zeichnungen.
Antje Wewer hat die Wahlberlinerin zum Tee getroffen und mit ihr über kleine und große kulturelle Unterschiede gesprochen

Ihr Projekt Don’t I look Turkish? greift Fragen auf, die Ihnen immer wieder gestellt werden: Can you belly dance? Do women have to wear a hijab in Turkey? Do you eat pork? Do you celebrate Christmas in Turkey?
Nach meinem Designstudium an der Marmara-Universität bin ich erst nach Frankfurt und dann nach Amsterdam gezogen, bevor mich 2017 dann mein Job nach Berlin brachte. Diese Fragen sind mir gestellt worden, seit ich meine Heimat verlassen habe. Ich habe sie gesammelt und irgendwann als Illustrationen auf Papier gebracht. Ich wollte die Klischees aufgreifen, Bewusstsein schaffen und vor allem: den Dialog eröffnen.

Hat das geklappt?
Da war alles dabei, manche fühlten sich ertappt, aber die meisten haben meinen Humor verstanden. Niemand will immer die gleichen Fragen gestellt bekommen. Mein Anliegen war es, etwas mehr Sensibilität zu schaffen. Viele nehmen an, dass ich als Türkin zwangsläufig auch Muslima bin. Meine Familie lebt religiös, sie betet mehrmals am Tag, meine Mutter trägt ein Kopftuch, und meine vier Geschwister leben alle nach den Regeln des Koran. Ich bin auch so erzogen worden, aber dann einen anderen Weg gegangen – das wird respektiert. In Berlin fühle ich mich zu Hause, für mich ist es die beste Stadt, um ich selber zu sein. Meine Familie macht oft Witze darüber, dass ich so deutsch sei.

Und, hat sie recht?
Durchaus! Die angebliche Mentalität der Deutschen – organisiert, pünktlich, mit einer Schwäche für Regeln – ist meiner sehr ähnlich.

Wie wird Tee in der Türkei getrunken?
Schwarz, oft mit viel Zucker. Wir nennen ihn Çay, er wird in kleinen Gläsern serviert. Als Kind habe ich daraus meine Cola getrunken, ich mochte das dünne Glas, darin hat alles besonders geschmeckt. Gästen wird sofort ein Tee angeboten, in Geschäften, zu Hause, zu jeder Tages­ und auch Jahreszeit, es ist Teil der türkischen Gastfreundschaft. Der lose Tee wird im Demlik zuberei­tet, das ist ein zweistöckiger Teeko­cher. Unten heißes Wasser, oben Tee. So kann jeder seinen Tee ganz individuell hell oder dunkel aufgießen. Ich habe natürlich auch einen. Mit meinem kleinen Samowar werde ich gleich unse­ren schwarzen Tee kochen.

Was ist ganz besonders türkisch an Ihnen?
Vielleicht meine Art einzuladen? Deut­sche brauchen oft eine Weile, bis sie Freunde nach Hause einladen, bei mir geht das meistens ziemlich schnell und impulsiv. Sowieso: Essen ist in der tür­kischen Kultur extrem wichtig. Wir planen, was wir zu Abend essen, wenn wir gerade beim Brunch zusammen­sitzen. Ich weiß noch, wie verwundert ich war, als ein Freund aus Stuttgart mich zum Geburtstagsessen einlud und jeder seinen eigenen Teller mit Käse­spätzle bekam.

Warum das?
Ich war es gewöhnt, dass das Essen geteilt wird, wenn etwas gefeiert wird. Es gibt Mezze, und während man sie teilt, redet man über die Oliven oder den Käse und kommt sich dabei näher.

Vermissen Sie Istanbul?
Nicht in Berlin! Weil ich hier alles finden kann, was ich gerne esse. Selbst die richtigen Weinblätter, wenn ich selber Dolma machen will. Und wenn ich Kebab essen will, gehe ich zu Hasir. Als ich dort mal als (gefärbte) Blondine essen war, waren sie überrascht, wie gut ich Türkisch spreche.

Eine der Fragen, die Ihnen oft gestellt werden, lautet: Ist Döner wirklich in Deutschland erfunden worden?
Angeblich von einem in Deutschland lebenden Türken! Was ich aber sicher weiß: dass ich gleich unseren französischen schwarzen Tee mit schwedischer Hafermilch und türkischem Honig servieren werde.

@esra_gulmen